
Preisträger 2026
79. Locarno Film Festival, 5. - 15. August 2026

Preis der Ökumenischen Jury von Locarno geht an «Nun Dul Dega Eomne»
Der Regisseur Hong Sangsoo aus Südkorea gewinnt den Ökumenischen Preis der Kirchen am 79. Locarno Film Festival. Im Zentrum seines Films steht der erste Besuch einer Tochter bei ihrer Mutter seit zehn Jahren.
Die Ökumenische Jury zeichnet den Film «Nun Dul Dega Eomne» (Nowhere to Lay My Eyes, Südkorea) aus. Im Film geht es um Sanghee, die mit ihrem Bruder ihre Mutter in der südkoreanischen Stadt Jeju besucht – zum ersten Mal seit zehn Jahren. Die Mutter betreibt dort ein erfolgreiches Restaurant. Sanghees Stiefvater dreht einen Film über ein «Grasgrab», und seine Tochter hat mit dem Malen begonnen. Man tauscht Neuigkeiten, unnötige Ratschläge und billige Komplimente aus. Am Morgen der Abreise schauen sich die anderen Familienmitglieder einen Film von Sanghee an.
Jury wählt Film «Nun Dul Dega Eomne» wegen seiner ausserordentlichen menschlichen Tiefe «Worauf lenken wir den Blick in unserem Leben? Sehen wir das Offensichtliche oder das Unsichtbare? Wie erzählen wir eine Geschichte der Wahrheit?» Mit diesen Fragen leitet die Jury ihre Begründung ein. Sie schreibt weiter: «Nun Dul Dega Eomne nimmt uns mit auf eine kurze Reise zu einem Familientreffen, in dem Erwartungen und Beziehungen wieder aufgenommen werden können. Dialoge entwickeln sich als kostbare Perlen universeller und existenzieller Themen und bieten eine intensive Reflexion an über Kreativität und Kunst.» Weiter heisst es in der Begründung: «Der Film erreicht eine ausserordentliche menschliche Tiefe im nur scheinbar Oberflächlichen. Mit grosser Empathie und subtilem Humor erkundet er Entfremdung und wie schwierig es sein kann, sich wirklich zu sehen und wechselseitig anzunehmen.»
Der Preis der Jury der Kirchen ist mit 10'000 Franken dotiert und geht an den südkoreanischen Regisseur Hong Sangsoo. Das Preisgeld wird von der Evangelisch-reformierten Kirche und der Römisch-katholischen Kirche der Schweiz gestiftet.
Internationale Jury der kirchlichen Medienorganisationen:
- Viera Pirker, Deutschland (Präsidentin)
- Juha Rajamäki, Finnland
- Sarah Stutte, Schweiz;
- Jean-Luc Gadreau, Frankreich
Die Jury wird jedes Jahr neu von SIGNIS und INTERFILM zusammengestellt und besteht aus Fachleuten aus Kirche, Film, Theologie und Religionswissenschaft.
Independent Juries Awards Ceremony: Ausschnitt ökumenische Jury: https://youtu.be/g5rBPiKUW8I?t=727
Artikel von Sarah Stutte auf kath.ch: https://www.kath.ch/newsd/locarno-filmfestival-das-prinzip-hoffnung/
57e Festival Vision du Réel Nyon, 17. - 26. April 2026

Eine interreligiöse Jury von Interfilm Schweiz und Signis nimmt seit 2005 am Festival Visions du Réel in Nyon teil. Sie besteht aus vier Mitgliedern, die die protestantische, katholische, jüdische und muslimische Glaubensrichtung vertreten. Die Jury vergibt ihren Preis an einen Spielfilm des internationalen Wettbewerbs, der existenzielle, soziale oder spirituelle Fragen sowie menschliche Werte beleuchtet. Er ist mit 5000 CHF dotiert und wird gemeinsam von der Schweizerischen Katholischen Kirche und der Evangelisch-Reformierten Kirche der Schweiz (EERS/EKS) mit Unterstützung von Réf-Médias, den Kirchen von Nyon sowie privaten Spenderinnen und Spendern.
Die Interreligiöse Jury vergibt ihren Preis an den Film DENTRO von Elsa Amiel, Frankreich, Schweiz, 2026, 95 min
Das Gefängnis in Volterra in der Toskana ist Schauplatz einer einzigartigen Kunstpraxis: Hinter seinen Mauern hat Armando Punzo drei Jahrzehnte lang mit Männern, die lange Strafen verbüssen mussten, seine Stücke inszeniert. Elsa Amiel erschafft einen faszinierenden Dialog zwischen Theater und Kino und verwandelt dabei den Gefängnisraum in eine paradoxe Erfahrung von Freiheit und Denken.
Begründung der Jury:
In einer Zeit, die von der Versuchung geprägt ist, Freiheiten einzuschränken und strengere Strafgesetze zu erlassen, wollte die interreligiöse Jury ein Werk des heilsamen Widerstands auszeichnen. Man entdeckt darin, wie Häftlinge durch das Theater „Lücken in die Realität reißen“ können. Klassische und moderne Texte von großer Schönheit verleihen den Dialogen eine einzigartige Qualität. Hier findet sich eine Meditation über das Schauspiel und die befreiende Kraft des Schaffens von intensiver Tiefe. Die an der Vorbereitung einer Aufführung beteiligten Gefangenen werden dazu angeregt, Sinn zu finden. Eine andere Dimension ihrer Persönlichkeit zu erkunden. Sich lebendig und verantwortlich zu fühlen, anstatt zu grübeln und vor sich hin zu vegetieren. Inklusion an einem Ort der Isolation zu praktizieren, erscheint uns als inspirierender Ansatz. Unsere Jury schätzte die Energie, die dieser Film ausstrahlt, sowie die feinfühlige und subtile Art und Weise, mit der die Regisseurin die Protagonisten präsentiert, insbesondere den Theaterregisseur Armando Punzo. Einstimmig geht unser Preis an DENTRO von Elsa Amiel.
Die interreligiöse Jury 2026:
- David Rossé, Schweiz (Präsident)
- Christian Georges, Schweiz
- Emmanuel Deonna, Schweiz
- Bahareh Zareeipolgardani, Iran/Schweiz
Trailer: https://www.youtube.com/watch?v=Mr8r4ZH6lMk
40. Festival International du Film de Fribourg FIFF, 20. - 29. März 2026

Die von INTERFILM und SIGNIS berufene Ökumenische Jury beim 40. Festival international du Film de Fribourg vergibt ihren mit 5’000 CHF dotierten Preis, gestiftet von der kirchlichen Hilfsorganisation „Fastenaktion“ und „Interfilm-Schweiz“, an den Film "The Sun Rises on Us All" unter der Regie von Cai Shangjun, China, 2025.
Begründung der Jury:
Von Schuldgefühlen zerrissen und zu einem Leben ohne Liebe verdammt, sucht die Protagonistin nach neuem Licht und Hoffnung. Kann das gelingen, wenn die Last einer unumkehrbaren Vergangenheit das Paar erdrückt, das in einer gnadenlosen Gesellschaft unterzugehen scheint? Zurückhaltend in seinen Einstellungen fängt dieser Film treffend die Tiefe unentwirrbarer Lebenswege im heutigen China ein. So geht auf unerwartete Weise „die Sonne über uns allen auf“.
Die Mitglieder der Jury:
- Frère Thomas Carrique (Cologny, Schweiz)
- Beat Dietschy (Bern, Schweiz)
- Elsbeth Fraanje (Gouda, Niederlande), Präsidentin der Jury
- Claire Zombas (Vétraz-Monthoux, Frankreich)
11. Human Rights Film Festival Zürich, 26. März bis 11. April 2026

Der Preis der Ökumenischen Interfilmjury geht an den Film: La beauté de l’âne von Regisseurin Dea Gjinovci und ist mit CH 2‘500 dotiert.
Begründung:
Regisseurin Dea Gjinovci macht sich mit ihrem Vater Asllan auf die Suche nach den wahren Umständen des Todes ihrer Grossmutter im Kosovokrieg. Vor Ort inszeniert sie mit der Dorfgemeinschaft die Ereignisse der Kindheit und Jugend des Vaters, die ihn bereits 1968 zur Flucht bewegten.
Dabei gelingt es ihr, Ästhetik, Inszenierung und Dokumentation ineinander zu verweben. Musik, Bild und Laienschauspieler*innen schaffen es darzustellen, worüber in Familien nur schwer gesprochen werden kann. Die Beteiligten bekommen dadurch die Möglichkeit, sich mit der eigenen Geschichte auseinanderzusetzen.
La beauté de l’âne, Schweiz, USA, Kosovo, Frankreich 2025
https://www.swissfilms.ch/de/movie/la-beaute-de-l-ane/4d38a85e19d84b00aa8369fd370f3a9d
Die Mitglieder der Jury:
- Lea Kunz (Lehrerin)
- Luca Policante-Roth (Pfarrer)
- Susanna Rizzi (Schulsozialarbeiterin)
- Martina Wüthrich (Psychologin und Supervisorin)
