Preisträger 2025

Preisträger 2025

78. Locarno Film Festival, 6. - 16. August 2025

Preis der Ökumenischen Jury von Locarno geht an «Solomamma»
Die Regisseurin Janicke Askevoldaus aus Norwegen gewinnt den Ökumenischen Preis der Kirchen am Locarno Film Festival. Im Zentrum ihres Films steht eine Journalistin und alleinerziehende Mutter, die den Vater ihres Kindes kennenlernen möchte.

Die Ökumenische Jury zeichnet den Film «Solomamma» (Norwegen / Lettland / Litauen 2025) aus. Im Film geht es um Edith – eine Journalistin und alleinstehende Mutter – die mit den Herausforderungen des Alleinerziehens ringt. Als die Identität des Mannes bekannt wird, der ihr als Samenspender zum Kind verhalf, sucht sie ihn unter dem Vorwand auf. Sie wolle ihn über sein Unternehmen interviewen. Aus dieser Begegnung entwickelt sich allmählich eine echte Beziehung. Edith versinkt jedoch immer tiefer in Lügen, wodurch sie das fragile Leben, das sie sich aufgebaut hat, gefährdet. 

Jury wählt Film «Solomamma» wegen wichtigen Fragen zur Lebensethik
«Solomamma wirft wichtige ethische Fragen zu Herkunft, Identität und Zugehörigkeit auf», begründet die Jury ihre Wahl. Sie schreibt dazu weiter: «Was ist das Wunder der Empfängnis und Geburt, wenn das Verständnis des Lebens in medizinisch-technischen Paradigmen gedacht wird? Was ist die Quelle und Verantwortung eines neuen Lebens und die unkontrollierbaren Folgen einer solchen Entscheidung?» Im Fokus stehe zudem die Verantwortung einer alleinerziehenden Mutter als autonom handelndes Individuum, betont die Jury. Besonders relevant seien dabei die «Bedingungen eines unabhängigen
Lebens, bei dem man dennoch mit anderen in Verbindung bleibt.» Mit dieser Wahl würdigt die Ökumenische Jury einen Film, der sich ernsthaft und tiefgründig mit grundlegenden Fragen der Lebensethik auseinandersetzt.

Preis der Kirchen ist mit 10'000 Franken dotiert
Der Preis der Ökumenischen Jury von Locarno ist mit 10’000 Franken dotiert und geht an die norwegische Regisseurin Janicke Askevoldaus. Das Preisgeld wird von der Evangelisch-reformierten Kirche und der Römisch-katholischen Kirche der Schweiz zur gestiftet.

Trailer: https://www.locarnofestival.ch/festival/program/film.html?fid=aceefc1e-bd92-47b9-94a6-1a10b64c4431&l=en&eid=
Q&A Locarno Film Festival: https://www.youtube.com/watch?v=7_SSesIcYSY&ab_channel=LocarnoFilmFestival 

Besondere Erwähnung für den Schweizer Film «Le Lac»
Neben ihrem Preis vergibt die Ökumenische Jury eine lobende Erwähnung an den Film «Le Lac» (Schweiz 2025) von Fabrice Aragno. Der Film spielt auf dem Genfersee. Zur Begründung schreibt die Jury: «Le Lac zeigt uns ein Paar, das dem Umgang mit einem Verlust nicht ausweicht, sondern damit ringt. Die Trauer hat ihnen die Sprache verschlagen, aber sie erleben beieinander auch ohne Worte ein tiefes Verstehen, weil sie dem Schmerz bewusst entgegentreten. Mit ihrem Segelboot kämpfen sie mit den Elementen und stellen sich im wahrsten Sinne des Wortes dem Sturm, indem sie mitten hinein
segeln. Wind und Wetter bringen sie an die Grenze zwischen Leben und Tod.»

Trailer: https://www.locarnofestival.ch/festival/program/film.html?fid=0ff1b31b-c891-4558-a001-8bad30c27d4b&l=en&eid= 
Q&A Locarno Film Festival: https://www.youtube.com/watch?v=YKeejk-YfQ4&ab_channel=LocarnoFilmFestival 

Die Mitglieder der Jury:

  • Melanie Pollmeier, Schweiz (Präsidentin)
  • Ileana Bîrsan, Rumänien
  • Philippe Cabrol, Frankreich
  • Roland Kauffmann, Frankreich

Fotoservice
Bilder der Ökumenischen Jury am 78. Locarno Film Festival befinden sich unter dem Downloadlink: https://locarnofestival.canto.global/b/QJAIP 
Bildlegende: Ökumenische Jury von Locarno 2025 (v.l.n.r.): Roland Kauffmann, Melanie Pollmeier, Ileana Bîrsan, Philippe Cabrol, Foto: Jacopo Matinioni, Locarno Film Festival 

Bilder der zwei ausgezeichneten Filme sind hier im Medienportal des Festivals herunterzuladen:
Bilder Preisträgerfilm «Solomamma»: https://locarnofestival.canto.global/v/press78/album/ITGAK?display=fitView&viewIndex=0&referenceTo=&from=fitView 
Bilder Lobende Erwähnung «Le Lac»: https://locarnofestival.canto.global/v/press78/album/UQ5SH?display=fitView&viewIndex=0&referenceTo=&from=fitView 

Video von der Preisverleihung, Ausschnitt aus dem Videostream Locarno Film Festival:  https://kolam.ch/interfilm/filme/Locarno2025/Prix%20oecumenique%20Locarno%202025.mp4 

 

 

56e Festival Vision du Réel, Nyon, 4.-13. April 2025

Eine interreligiöse Jury von INTERFILM und SIGNIS wird seit 2005 beim Festival Visions du Réel in Nyon angeboten. Sie besteht aus vier Mitgliedern, üblicherweise einem INTERFILM-Mitglied, einem SIGNIS-Mitglied, einem jüdischen Mitglied und einem muslimischen Mitglied.
Die interreligiöse Jury 2025, verleiht ihren Preis an einen Spielfilm aus dem internationalen Wettbewerb von 14 Filmen, der existentielle, soziale oder spirituelle Fragen sowie menschliche Werte beleuchtet. Er ist dotiert mit CHF 5000 gestiftet von der katholischen Kirche der Schweiz und der evangelisch-reformierten Kirche der Schweiz (EERS/EKS).

Der Preis der interreligiösen Jury geht an den Film Nuit obscure - “Ain 't I a Child?” von Sylvain Georges (Suisse, France, Portugal, 2025, 164’)

Begründung der Jury:
"Nuit obscure" nimmt uns mit einer packenden Intensität mit auf die ergreifende Reise junger Minderjähriger, die die harte Realität ihres Landes verlassen, um ein idealisiertes Europa zu suchen. Der Regisseur begleitet mehrere Jugendliche durch die Straßen von Paris und enthüllt mit bemerkenswerter Sensibilität eine Welt, die aus Licht und Schatten, Gewalt und Freude besteht.

Die einstimmige Entscheidung der interreligiösen Jury, den diesjährigen Preis an den Film "Nuit obscure" zu verleihen, unterstreicht dessen außergewöhnliche Wirkung durch eine schwarz-weiße Bildsprache und eine kommentarlose Erzählweise. Der Regisseur verleiht der Lebensgeschichte dieser jungen Migranten, die ständig darum kämpfen, ihren Platz zu finden, eine einzigartige Kraft.

Der Film stellt unsere gesellschaftlichen Entscheidungen tiefgreifend in Frage, indem er die Bedeutung von Grundwerten wie der Achtung der Menschenwürde und der Berücksichtigung der lebenswichtigen Bedürfnisse aller Menschen in prekären Situationen hervorhebt. Eingetaucht in eine Welt, die zugleich intim und erbarmungslos ist, nimmt "Nuit obscure" das Publikum mit auf eine Reise durch die wiederholten Demütigungen und gescheiterten Träume derjenigen, die um ihr Überleben kämpfen.

Mitglieder der Jury:

  • Marc Weiler, Suisse
  • Mohammad Rezaeian Iran 
  • Jean-Claude Boillat, Suisse

Trailer:  https://www.youtube.com/watch?v=t-qTdYYk_Oo&ab_channel=visionsdureel 

 

 

39e FESTIVAL INTERNATIONAL DU FILM DE FRIBOURG, 21.-30. März 2025

Die von INTERFILM und SIGNIS berufene Ökumenische Jury beim 39. Festival international du Film de Fribourg (21.-30. März 2025) vergibt ihren mit 5'000 CHF dotierten Preis, gestiftet von den kirchlichen Hilfsorganisationen der Schweiz „Fastenaktion“ und „HEKS/Brot für alle“, an den Film “My Friend An Delie” unter der Regie von Dong Zijian, China, 2024.

Begründung der Jury:
Ein Mann bricht auf, um in einer entfernten Stadt seinen Vater zu bestatten. Unterwegs trifft er seinen Freund aus Kindertagen. Die Vergangenheit holt sie ein, Traumata und Schuld brechen hervor. Das chinesische Roadmovie «My Friend An Delie» von Dong Zijian ist in knappen, präzisen Bildern erzählt und springt gekonnt zwischen Gegenwart und Vergangenheit. Unter den hervorragenden Schauspielern verdient der kleine Junge in der Rolle von An Delie eine besondere Erwähnung. Die relativ kleine Geschichte öffnet einen weiten Horizont für existentielle Fragen, sowie für eine Auseinandersetzung mit dem Mut und dem Versagen, sich gegen Unrecht zu wehren.

Mitglieder der Jury:

  • Jean-Claude Boillat, Courrendlin (Switzerland)
  • Bénédicte Cuny, Versailles (France)
  • Christa Miranda, Zürich (Switzerland)
  • Bernd Wolpert, Tübingen (Germany)

Trailer:  https://www.vimeo.com/1054534534

Video von der Preisverleihung:  https://www.kolam.ch/interfilm/filme/fiff2025/FIFF%202025%20Jury%20oecum%C3%A9nique_x264.mp4

 

 

10. Human Rights Film Festival Zürich, 27. März - 2. April 2025

Die Jury von Interfilm Schweiz vergibt den mit Fr. 2'500.- ausgestatteten Prix Célestine 2025 an den Film “NAME ME LAWAND” von Edward Lovelace, England 2023.

Der Film begleitet den tauben Jungen Lawand mit irakischer Fluchtgeschichte, der in England eine Schule für taube Kinder besuchen kann und dort erstmals kommunizieren lernt. Der Film berührt mit der Entwicklung des Jungen, der durch das Erlernen der Gebärdensprache sich selbst und seinen Platz in der Gesellschaft findet. Dabei kommen die Themen Andersheit und die damit verbundene Isolation bzw. Integration zur Sprache. Besonders überzeugt der Film durch die Leistung der Protagonist:Innen (Lehrerin und Lawand) und die Machart des Films (Ton und Flashbacks in Traumaerfahrungen). Lawand, der sich anfangs wie auf einem falschen Planeten gefühlt hat, findet am Schluss Heimat in mehrfacher Hinsicht.

Trailer:  https://www.youtube.com/watch?v=bZq0I84g4Uk&ab_channel=ReelAbilitiesInternational

Mitglieder der Jury:

  • Ivo Moser (Stud. Theol, Köniz)
  • Alisha Pfenninger (Cand. Theol., Bern)